Die Welt ist ein Brett

Vor 30 Jahren krempelte Titus Dittmann die Skateboard-Szene in Deutschland gehörig um. Auch heute fährt der  Skateboard-Pionier noch Longboard. Für den Start auf dem Brett ist es nie zu spät. Ich habe mit dem heute 63-Jährigen für “Mehr!” in der Rheinischen Post gesprochen. Den Text findet Ihr HIER!

Titus Dittmann. Foto: Rieke Cofalla Titus Dittmann als junger Skater

 

 

Titus Dittmann als junger Skater

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer mehr zum Thema lesen will, für den gibt es noch ein Interview mit Enrico Gersin (23) vom Online-Shop skatedeluxe. Viel Spaß!

Gibt es körperliche Voraussetzungen zum Skaten?

Auch wenn Skateboarding in der Öffentlichkeit eher als Funsport angesehen wird, ist es ein sehr athletischer Sport. Bestimmte Voraussetzungen wie die Körpergröße sind nicht entscheidend. Allerdings benötigt man eine Menge Kondition, Körperbeherrschung, Körperspannung und Balance. Zum Glück kann man diese Voraussetzungen trainieren. Mit starkem Übergewicht oder einer Lunge, die nach drei Treppenstufen bereits aus dem letzten Loch pfeift, und keinerlei Koordinationsvermögen wird es allerdings schwer…

Wann fängt man am besten damit an?

Skaten kann man in jedem Alter egal ob mit fünf oder bereits 40 Jahren. Natürlich fängt man so jung wie möglich an, da man im Kindes- und Jugendalter am schnellsten lernt, aber auch mit 20 oder 30 Jahren kann man noch mit dem Skaten anfangen.

Was gehört unbedingt zur Ausrüstung?

Natürlich das Board bestehend Deck, Achsen, Rollen, Kugellagern und Schrauben. Dazu noch Kreativität, Spaß und den Willen etwas Neues zu schaffen oder zu erlernen.

Schutzausrüstung ist aus der Skateboard-Szene mittlerweile nahezu verschwunden. Allerdings sollte man sich als Anfänger oder als Elternteil, wenn das kleine Kind anfangen möchte zu Skaten, die Standardschützer (Knie,  Ellenbogen, Helm, Handgelenk) besorgen. Dabei sollte man nicht sofort den Pro´s nacheifern und ohne Schützer losrollen, denn die machen das Ganze bereits seit Jahren professionell und wissen welches Risiko sie eingehen. Auch beim Halfpipe und Bowl fahren, sollte man auf Schutzausrüstung zurückgreifen. Das machen auch die Profis.
Die häufigsten Verletzungen sind Prellungen, Schürfwunden und ein verknackster Fuß, davor schützt leider auch keine Ausrüstung.

Mode ist bei Skateboardern ja auch ein Sonderthema… Worauf achten die Labels
bei den Skaterklamotten? Was sind bekannte Labels?

Es existieren mittlerweile tausende Labels, die mit der Skateboarding-Szene verknüpft sind. Diese stammen entweder direkt aus dem Skateboarding oder haben sich dieser Szene stark angenähert.

Sehr bekannt sind die großen Labels aus Übersee:  VANS, DC, C1RCA, Emerica, DVS, Element, Etnies, Globe, Lakai und Volcom. Doch nicht nur die „Big Players“ sind sehr gefragt, sondern auch ehemalige „Underground-Labels“ aus Deutschland wie Cleptomanicx, TRAP und MOB Skateboards werden hierzulande immer populärer.

Auch die bekannten Sport-Labels Adidas und Nike mischen seit einiger Zeit im Skateboarding mit, was die Einen sehr erfreut und Andere eher verägert…

Natürlich versuchen die Labels den Lifestyle und das Szeneverständnis der Skater auf Klamotten und Schuhe zu
bringen, aber das ist nicht alles.

Die Labels arbeiten häufig stark mit ihren Teamfahrern, also Profi-Skateboardern, zusammen um die Klamotten und Schuhe skatetauglich zu machen. Dabei gibt es mittlerweile unzählige Schuhtechnologien um die perfekten Skateschuhe zu kreieren. Dabei spielen Leichtigkeit, Tragekomfort, Gefühl, Haltbarkeit und Schockabsorbation eine große Rolle. Das kann man leider nicht verallgemeinern. Einige Skater kommen mit Schuh XYZ prima zurecht, während andere mit diesem Schuh überhaupt nicht klarkommen und deshalb ZXY bevorzugen. Zum Glück gibt es unzählige Schuhformen, sodass jeder den richtigen Schuh findet.

Auch im Streetwear-Bereich versuchen die Labels den Bedürfnissen der Skateboarder gerecht zu werden. So werden beispielsweise Hosen elastischer und reißfester designt um die nötige Bewegungsfreiheit zu gewährleisten und um die zahlreichen Stürze (Slams und Bails) einstecken zu können, ohne sofort kaputt zu gehen.

Welche Unterschiede gibt es zwischen den einzelnen Boards?

Grundsätzlich sind sich die Boards sehr ähnlich. Sieben Lagen Ahornholz, hochgezogene Ende (Nose und Tail) und eine konkave Wölbung in der Längsrichtung (Concave).

Dabei unterscheiden sich die verschiedenen Boards zunächst in der Größe. Die Breite der Boards wird in Inch angegeben. So gibt es Decks mit den Breiten 7.5“, 7.625“, 7.75“, 8“ usw. Welche Breite man wählt hängt neben der Schuhgröße von den persönlichen Vorlieben und dem, was man mit dem Board vorhat ab. Schmalere Boards lassen sich einfachere Flippen, während breitere Decks in Pools und Rampen sowie bei großen Sprüngen ihre Vorteile haben.

Das Concave, also die Wölbung des Decks, ist ebenfalls unterschiedlich ausgeprägt. Die Höhe der Wölbung wirkt sich auf das Fahr- und Flipverhalten des Deck aus. Umso steiler das Concave, desto schneller reagiert es. Mit welchem Concave man am besten klarkommt wird man nach dem zweiten oder dritten Deck schnell merken.

Der Standard ist die Konstruktion aus sieben Lagen Ahornholz. Einige Hersteller verwenden auch acht Lagen Holz, oder arbeiten noch mit zusätzlichen Carbon- oder Fiberglaslagen um die Decks haltbarer und schockresistenter zu machen. Dazu gibt es noch spezielle Cruiser-Decks, die an die Skateboards der vergangenen Jahrzehnte erinnern und eben die Longboards. Die nicht nur etwas für Erwachsene sind…:) Aber das würde wahrscheinlich auch ein ganzes Kapitel füllen können.

Was sollte man als erstes üben?

Zuerst sollte man natürlich auf dem Board tehen können. Das fällt Einigen bereits sehr schwer. Dann lernt man das Pushen (das Anschieben mit dem Fuß), das Kurvenfahren und das Bremsen. Erst wenn das sitzt, sollte man sich an richtige Tricks wagen.

Wie wird man schnell besser? Was trainiert man?

Das Erfolgsrezept heißt auch hier: Üben! Üben! Üben! Es ist noch kein Pro-Skater vom Himmel gefallen. Dazu kann man in den Skatepark gehen und freundlich und respektvoll die erfahren Skateboarder um Hilfe oder Erklärungen bitten.

Es gibt auch gute Hefte und Bücher mit jeder Menge Hinweisen und Tipps und auch Online-Video-Plattformen wie YouTube haben eine Menge Trick Tipp Videos und Tutorials auf Lager.

Neben den Basics trainiert man die verschiedenen Tricks immer und immer wieder, sodass man diese sicher stehen (landen) kann.

Dein liebster Trick für Einsteiger: Was sieht gut aus, ist
aber nicht ganz so schwer?

Das Schwierigste ist leider der Anfang. Als erstes lernt man den Ollie, also das einfache Springen mit dem Board. Das ist DER Trick, den man definitiv können muss, da nahezu alle anderen Tricks darauf aufbauen.

Dazu drückt man das Tail (der hintere Bereich des Boards) mit dem Fuß nach unten und zieht mit dem vorderen Fuß das Board in die Luft. Wenn man diesen Trick beherrscht, kann man sich an alle anderen Tricks wagen. Aber wie sagt man so schön? Aller Anfang ist schwer.

Noch ein paar Tipps für Bastler: Was kann man alles am Skateboard verändert,
reparieren, pimpen…

Viel Spielraum – wie beispielsweise beim Auto – gibt das Skateboard natürlich nicht.

Man kann mit verschiedenen Lenkgummis (Bushings) das Lenk- und Fahrverhalten der Achsen der verändern oder mit neuen Achsen, Rollen und Kugellagern experimentieren. Außerdem kann man das Griptape kunstvoll zurecht
schneiden – macht man aber eigentlich nicht ;) , oder die Unterseite des Decks mit Stickern etc. verschönern.

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