Begegnung mit einer Toten

Pressekonferenzen sind eine herrliche Gelegenheit, um den anderen Journalisten-Kollegen mal zu zeigen, wie gut man schlaue Fragen stellt oder wie wichtig man ist. Wie man es total versemmeln kann: Kürzlich bei einer PK zu Edith Stein.

Frage 1: Was war denn jetzt eigentlich das besondere an dieser Frau?

Sich nicht bis ins Detail mit dem Leben dieser Person auszukennen: geschenkt. Zu einer Pressekonferenz mit diesem Thema zu gehen und sich nichtmals die Mühe zu machen, den Namen in eine Suchmaschine einzugeben: Sabotage!

Oder vielleicht doch eher Ignoranz. Nur in aller Kürze: Stein, geboren 1891, war Philosophin
und Nonne und wurde durch ihr Schicksal auch zur Märtyrerin sowohl der katholischen als auch der evangelischen Kirche. Als orthodoxe Jüdin bezahlte sie 1942 den Rassenwahn der Nazis mit ihrem Leben, sie starb im  Konzentrationslager Auschwitz.

Doch es kam noch besser.

Frage 2 (an den Künstler, der Porträts von Stein gezeichnet hat): Haben Sie sie persönlich getroffen?

Das war wohl kaum möglich. Siehe oben. Dann der Versuch, die Situation zu retten.

Frage 3: Ich meine, vielleicht ja ihre Kinder…

Hallo? Nonne + Kinder = Ding der Unmöglichkeit

Frage 4: … oder andere Nachfahren?

Hm. Das zumindest lasse ich als netten Versuch gelten. Nicht sehr wahrscheinlich, dass jemand von ihnen den Holocaust überlebt hat, aber zumindest möglich.

One Thought on “Begegnung mit einer Toten

  1. Vor vielen Monden war ich auch mal Journalistin und ich kann mich noch gut an die Fragesteller erinnern, bei denen man genau gemerkt hat, dass sie im Trüben fischen und eigentlich keine Ahnung haben, worüber sie da berichten sollten und würden….ich habe mich das nie getraut und bin auch froh darüber!

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