Kaffeezeremonie

Wer uns, also Nils und mich, kennt, der weiß: Kaffee ist für uns Lebenselixier. Der darf auch im Urlaub nicht fehlen. Im Kopf noch ganz Zelter, haben wir einfach wie gewohnt unseren Handfilter und den zerbeulten kleinen Wasserkessel mitgenommen, den schon meine Eltern bei ihren Zelturlauben benutzt haben. Jeden Morgen gibt es nun also eine kleine Zeremonie: Wasser im Kessel aufkochen bis dieser ein einem Pfeifen ähnliches Geräusch von sich gibt (wirklich pfeifen kann er nicht mehr, denn er ist in all den Jahren ein wenig schwach auf der Brust geworden)­­, dann Schluck für Schluck das Wasser in den Filter gießen und warten bis dieses gemütlich in die Kanne tröpfelt und auf diesem Weg zu dem wunderbaren schwarzen Getränk geworden ist. Da machte es auch gar nichts, dass wir bei unserem ersten Campingplatz-Stopp an der deutschen Ostsee sahen, wie es die anderen Wohnwagen-Camper machten: Die hatten einfach von zu Hause ihre Kaffeemaschine mitgenommen. Wie langweilig!

Seit Estland ist in unserer Kaffeezeremonie leider der Wurm drin. Genau dort ging uns nämlich das letzte schwedische Pulver aus. Erleichterung machte sich breit als wir im Supermarkt die gleiche Sorte, nämlich Lagerlöfs Lila, entdeckten. Die Ernüchterung folgte am nächsten Morgen. Das Pulver war viel grober, der fertige Kaffee ein leicht beige getöntes Wasser, und das schmeckte nicht im Entferntesten wie gewohnt. In den folgenden Tagen haben wir diverse Tricks beim Kaffeekochen probiert. Zwei- oder sogar dreimal aufgießen, mehr Pulver, und schließlich haben wir sogar den Aufwand betrieben alles in einem Topf aufzukochen, ziehen zu lassen und dann durch einen Filter zu gießen. Und all das, um immer wieder das gleiche Ergebnis zu bekommen: Plörre.

Völlig gefrustet und auf Koffeinentzug haben wir uns heute in einem Supermarkt in Klaipeda (Litauen) einen Lavazza-Kaffee bestellt, den die freundliche, aber ein wenig überforderte, Bäckereiverkäuferin nach zwei fehlgeschlagenen Versuchen und etwa zehn Minuten auch ganz passabel hinbekommen hat. Morgen starten wir beim Frühstück einen neuen Kaffee-Brüh-Versuch. Mit neu erstandener „Jakobs Krönung“. Drückt uns die Daumen.

2 Thoughts on “Kaffeezeremonie

  1. Oh, während ich gerade meinen Kaffee trinke, bekomm ich fast ein schlechtes Gewissen, das ich den jetzt so genießen kann und leide mit euch!! Ein lieber Kaffeegrußaus Irland!

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