Wohn-wa-was???

Es ist heiß, nach 15 Uhr und unsere Mägen knurren inzwischen
lautstark. Wir sind froh und erleichtert, als wir endlich das Hinweisschild zum
Campingplatz in Pärnu (Estland) sehen. Dicht an dicht stehen dort die
Wohnmobile. Sieht voll aus. Das sagt uns auch die Dame an der Rezeption recht
unwirsch. Höchstens zwei Nächte dürfen wir bleiben und ob wir es denn schaffen,
unseren langen Hänger irgendwie da reinzubugsieren. Sie zeigt auf einen Platz
direkt an der Straße, eingepfercht zwischen anderen Wohnwagen. „Kommt denn davor
noch ein anderer hin?“, fragen wir. Schließlich wollen wir irgendwann auch
wieder nach draußen fahren. Ja, aber der müsse dann eben vor uns fahren. Puh.
Also gut, Stellplätze für Wohnwagen in Estland sind rar gesäht, das haben wir
inzwischen begriffen. Allerdings merken wir beim Rangieren, dass es verdammt
eng wird. Ein Finne im Wohnmobil daneben trommelt zwar gleich seine ganze
Familie zusammen und will helfen, den Wagen von Hand an den richtigen Platz zu
schieben. Aber wir haben die Nase voll und fahren weiter.

Irgendwo muss es doch noch einen schöneren Ort für uns
geben. Ein Camping steht auf dem Faltblatt eingezeichnet, das uns die Frau an
der Rezeption noch in die Hand gedrückt hat. Er sieht so aus, als liege er
direkt am Meer. Auf dem Weg dorthin malen wir ihn uns schon in den schönsten
Farben aus. Ausgeschildert ist er dann allerdings nirgendwo. Mit ein bisschen
Tricksen erwischen wir die richtige Straße. Schotter, Schlaglöcher, Sand.
Spannend! Weit und breit kein Campingplatz zu sehen. Eine Joggerin, die uns
entgegen kommt, zuckt auch nur mit den Achseln als wir sie danach fragen.

Also Wendemanöver auf engstem Raum und zurück auf die
Straße. Endlich wieder ein Schild mit dem Wohnwagen-Piktogramm. Inzwischen ist
es nach 17 Uhr. Zum Hunger haben sich Müdigkeit und Frust gesellt. Als wir zum
Camping einbiegen, sind wir im ersten Moment positiv überrascht. Überall
Sportangebote, nicht schlecht. Aber wo ist die Anmeldung? Wir finden einen Plan
und entdecken darauf auch das „Caravan-Parking“. Wohnwagen sind dort
eingezeichnet, die in Reih‘ und Glied nebeneinander parken. Hilfe! Doch
irgendwo müssen wir ja übernachten. Zwischen Weitsprungbahn und Rundkurs für
Rennradfahrer stellen wir unser Gefährt ab. Auf einem Asphaltplatz, hinter uns
abenteuerlich verlegte Stromleitungen. Die Sportler – wir scheinen mitten in
einem Sportcamp zu sein – schauen uns an, als sei gerade ein Ufo bei ihnen
gelandet. Und ein bisschen fühlen wir uns jetzt auch wie Außerirdische.

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