Schöne neue Welt

Und plötzlich ist da nichts mehr. Nur noch Land- und Wassermasse. Keine Straße. Das Navi kennt Estland nicht. Zumindest nicht so gut, als das es uns mehr als seine weiße Form auf blauem Grund, in diesem Fall die Ostsee, auf dem Bildschirm anzeigen will. Zum Glück ist für mich eine Landkarte kein Buch mit sieben Siegeln. Doch mein Optimismus, dass ich uns schon irgendwie auf den Campingsplatz südlich von Tallinn lotsen werde, schwindet mit jedem Kilometer, den wir über die uns so fremden Straßen fahren. Plattenbau an Plattenbau reiht sich dort. Die Vororte von Estlands Hauptstadt sind auf den ersten Blick furchtbar hässlich. Und existieren eigentlich gar nicht. Zumindest nicht in unserem Atlas.

Nach einem Zwischenstopp an einer Tankstelle haben wir eine gescheite Karte in der Hand, und die Situation entspannt sich langsam. Wir sehen Weißstörche und Elch-Warnschilder, Wälder und mittelalterlich anmutende Ruinen. Doch wir merken auch schnell: 150 Kilometer in Estland sind nicht vergleichbar mit 150 Kilometern in den Ländern, die wir sonst bereisen. Autobahnen gibt es nicht, die Schnellstraßen sind teils mit Vorsichtig zu genießen – zumindest mit einem 3,5 Tonnen schweren und knapp zwölf Meter langem Gespann.

Dafür sind die Straßen leer. Nur ab und an kommt uns ein Auto entgegen. Die vielen Kinder, die wir – vermutlich auf dem Heimweg von der Schule - sehen, bekommen ihren Mund vor Staunen kaum zu, als wir an ihnen vorbei fahren. Wohnwagen scheinen hier tatsächlich noch recht unbekannt zu sein. Aufsehen erregen wir auch, als wir endlich den Ferienpark finden, in dem es auch einige wenige Stellplätze für Wohnwagen gibt. Für Esten ist Camping vor allem Urlaub in einer kleinen Hütte in einem Park. Wir haben noch Glück: Unser Platz – inmitten solcher Hütten – hat Strom, es gibt gescheite Toiletten und wohl auch Duschen. Die werden wir morgen austesten.

Zur Zeit testen wir intensiv das Wi-Fi. In Estland omnipräsent. Überall gibt es Hotspots, die Verbindungen sind erstaunlich gut. Ein Land, das uns bereits jetzt überrascht. Und sicherlich weiter überraschen wird.

3 Thoughts on “Schöne neue Welt

  1. nils on 10.07.2012 at 22:53 said:

    Auch hierzu ein frei nachgesprochener Dialog aus dem Auto.
    Birthe: Welche Route sollen wir nehmen?
    Nils: Hmnnn?!?
    Birthe: Die hier oben, über rote (Fernstraßen) und gelbe (Hauptstraßen), oder die hier nur über rote? Weiße (Straßen) lieber nicht, oder?
    Nils: Gelbe sind OK! Weiße nicht!
    *Geraschel*
    Birthe: Hier steht, dass auch Gelbe hauptsächlich aus Schotter sind!
    Nils: Dann nur Rote!
    Birthe (liest im Reiseführer): Im Vergleich zu den anderen baltischen Staaten hat Estland das best ausgebaute Straßennetz!!!

    AAAAAAHHHHHHHH

    • nils on 11.07.2012 at 22:19 said:

      Ich muss meine ersten Befürchtungen ein wenig korrigieren. Auch wenn wir heute bei der Suche nach einem Campingplatz (es gibt ihn nicht mehr) auf einer der weißen Straßen mit unserem 12 Meter Gespann gewendet haben (Hinten der Felsen, vorne der Bach, in der Mitte dazwischen Schotter) in Zentimeterarbeit. Alles in Allem sind die Straßen hier sehr gut befahrbar.
      Nur gibt es keine Campingplätze – mehr dazu morgen von Birthe

  2. Jens on 13.07.2012 at 23:37 said:

    Ihr wisst, ihr müsst das nicht tun. Ihr könnt jederzeit wieder nach Hause kommen ;)

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